Freitag, 21. September 2012

Heute vor einem Jahr...

...hat gegen 18 Uhr das Telefon geklingelt...

Hallo meine Lieben,

einige von euch haben ja bestimmt schon mitbekommen, dass ich heute mein Einjähriges habe.
Heute vor einem Jahr wurde ich transplantiert.
Ich kann mich noch an so viele Details dieses Tages erinnern.

Zum einen hatte ich mich wieder mit meiner lungenkranken Freundin getroffen, die ich heute noch regelmässig treffe. Zum anderen war ich an diesem Tag sogar schon mal in der Klinik. Ein sehr guter Freund von mir, den ich in der Reha kennengelernt hatte wurde nämlich am 14.8. transplantiert. Er bekam eine neue Lunge und (!) eine neue Leber. Er hatte ziemliche Startschwierigkeiten, da die Bauchnaht mehrmals aufgegangen war und so lag er ziemlich lange in der Klinik. Und am 21.9. hatte er Geburtstag und ich habe ihm einen Kuchen vorbei gebracht. Seine Mutter war auch da und wir haben ein bisschen geschwätzt.

Als ich dann nach Hause kam, waren Froggi und meine Haushaltshilfe auch schon da und ich habe die Kleine fürs Bett fertig gemacht und ihr noch was vorgelesen.
Da hat dann plötzlich mein Handy geklingelt. Es war die Klinik mit einem Organangebot und ich würde in ca. 1 Stunde von zu Hause abgeholt werden. Mein erster Gedanke war: "Sch****! Muss das jetzt sein?" Ich hatte mich gerade wieder nach dem langen Reha Aufenthalt zu Hause eingelebt und jetzt das. Aber "Nein" sagen kann man nicht!
Also habe ich unsere Haushaltshilfe gefragt, ob sie länger bleiben könne, was zum Glück kein Problem war. Dann habe ich meinen Mann angerufen, damit er sofort heim kommt und der nächste Anruf ging an meinen Freund in der Klinik, dass ich gleich noch mal vorbei käme. Er konnte es nicht fassen.
Dann ging alles ganz schnell. Ich habe noch einige Vorbereitungen getroffen, dann kam mein Mann und um 19 Uhr hat es an der Tür geklingelt. Das war der Krankenwagen, der mich in die Klinik fahren sollte. Die beiden waren echt ganz süss. Sie fragten mich, ob ich schon mal im Krankenwagen gefahren sei. Als ich verneinte, schalteten sie extra das Blaulicht und die Sirenen für mich an :). Obwohl die Strassen menschenleer waren. Mein Mann war als "normaler" Autofahrer genauso schnell wie ich in der Klinik.

Dann kam ich auf die Station zur Vorbereitung. Dort wartete schon mein Kumpel mit seiner Freundin und Mutter. Es war ein grosses Hallo, keiner konnte diesen Zufall fassen.
Dann habe ich mich für die OP fertig gemacht. Ich musste gründlich duschen und mich komplett rasieren. Da ich das schon vorher wusste, hatte ich meinen eigenen Rasierer dabei und musste nicht die doofen Einwegdinger von der Klinik nehmen.

Dann habe ich meinem Mann die letzten Instruktionen gegeben. Kurz bevor es Richtung OP ging, habe ich noch meine Mutter angerufen. Ich wollte sie nicht früher als unbedingt nötig nervös machen.
Punkt 22 Uhr ging es Richtung OP. Alle kamen bis zur Tür der Vorbereitung mit. Dann hiess es Abschied nehmen.

In der Vorbereitung standen dann die Anästhesisten und Helfer um mich herum. Ich habe zwei Zugänge bekommen, einen venösen und einen arteriellen und dann war ich plötzlich weg.
Das war Mittwoch Abend.

Dann habe ich irgendwelche Stimmen gehört, die sagten, dass jetzt noch eine Bronchoskopie gemacht würde und ich dann extubiert würde. Und dann war ich plötzlich richtig war. Mir tat alles weh und ich hatte fürchterlichen Durst. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gross mein Durst war!!! Und ich durfte erst mal nichts trinken.

Donnerstag ist immer grosse Visite. Das wusste ich schon. Also fragte ich, ob die heute schon war und ob die überhaupt auf Intensiv vorbei kämen.
Aber da hiess es nur, dass heute schon Samstag sei! Ich war platt! Damit hatte ich nicht gerechnet. 3 Tage, die einfach so weg waren. Ich konnte mich an nichts erinnern. Ich hatte auch keine komischen Träume oder habe weisse Mäuse gesehen wie andere. Was mich nicht gewundert hätte, denn mein Schlaf war recht unruhig. Ich habe mich hin und her gewälzt, wollte mich selbst extubieren und habe mir den zentralen venösen Zugang aus dem Hals gerissen. War wohl nicht so lustig für den Pfleger, der mich in dieser Nacht betreuen musste. Aber dank Morphium war dann Ruhe.
Und nachdem ich erst mal wach war, hatten sie meinen Mann angerufen und der kam auch kurz darauf.

Tja, die Geschichte geht noch weiter, der ganze Krankenhausaufenthalt hat insgesamt drei Wochen gedauert, bevor es dann noch einmal für drei Wochen zur Anschlussheilbehandlung in die Reha ging.
Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, nach dieser Zeit wieder zu Hauser zu sein!

Liebe Grüsse,
euer Puminchen

PS: Natürlich denke ich auch heute (und nicht nur an diesem Tag) an meine Spenderin und dass sie vor einem Jahr gestorben ist und vielen Menschen das Leben gerettet hat. Und ich denke auch an meine eigenen Lunge, die mir viele Jahre treue Dienste geleistet hat, obwohl sie schon so krank war.

Kommentare:

  1. Eine interessante Geschichte. Vielleicht solltest du auch ein Buch darüber schreiben. Wir haben mal eines auf unserem Buchblog verlost über eine Herztransplantierte, das war auch ein tolles Buch. :) Man kann sich das ja als gesunder Mensch gar nicht vorstellen.

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  2. Herzlichen Glückwunsch zu deinem zweiten Geburtstag, auch wenn so ein Ereignis, wie du schon sagst, immer mit einer schrecklichen Geschichte für jemand anderen verbunden ist. Aber ich finde es wirklich bemerkenswert, wenn jemand sich dazu entschließt, im Fall der Fälle seine Organe zu spenden. So etwas zu lesen, macht schon nachdenklich... Danke, dass du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt!

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  3. wow. ich muss sagen ich bin tief beeindruckt.

    ich konnte mit dem thema organspende irgendwie sehr lange leider nicht viel anfangen. nicht, dass es mich nicht interessiert hätte, aber ich finde die aufklärung über die möglichkeiten und dringlichkeiten sind so gering...
    durch deinen blog und vor allem jetzt durch diesen post denke ich aber anders. ich habe mich schon mehrfach über den spendeausweis informiert, soweit ich weiß muss ich vorher aber irgendwie blut spenden wegen der blutgruppe und das darf ich im moment noch nicht.

    ich finde es schade, dass das so ein stilles thema in der gesellschaft ist, dabei ist es so wichtig!

    schön, dass du noch bei uns bist und das alles geklappt hat, und danke dass du diese gedanken und erinnerungen mit uns teilst!
    das berührt mich wirklich sehr.

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    1. Hallo Jule,

      wenn Du Organspender werden willst, brauchst Du nur den Ausweis auszufüllen und bei Dir zu tragen. Blut musst Du keines abgeben. Das muss man machen, wenn man sich als Knochen- oder Stammzellspender registrieren lassen will. Ist auch eine gute Sache, ähnlich wie das Blutspenden oder doch ganz anders als Organspende, denn die kommt ja wirklich nur zum tragen, wenn man hirntot ist.
      Liebe Grüsse,
      Puminchen

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  4. sehr interessante Geschichte! du kannst echt gut Texte/Geschichten schreiben.. man lest sich sowas gerne durch :) ♥

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    1. Vielen Dank! Es freut mich, wenn ihr mein Geschreibsel gerne mögt!

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