Sonntag, 13. Mai 2012

Jedem das seine - die Ernährung der Kleinen

Hallo meine Lieben,

gestern war ich mal wieder kurz in einer Situation, wo ich mir überlegen musste, reg' ich mich jetzt auf, oder lass ich es sein. Aber diese Situationen kommen immer wieder. Deshalb ist es gut, wenn man seine Meinung dazu hat und hinter dieser auch steht.
Ich weiss, die Kinderernährung ist ein heikles Thema und jeder handhabt es anders, aber ich entdecke bei anderen oft Widersprüchlichkeiten, die mich nerven oder fühle mich durch Kommentare angegriffen.
Deshalb habe ich jetzt einfach mal das Bedürfnis, MEINEN Senf dazu zu geben!

Erst mal die Situation von gestern:
Wir waren zu dritt beim Kasperletheater. Mittlerweile haben die Puppenspieler das Geschäft gewittert und verkaufen auch Popcorn, Caprisonne und Leuchtstäbe mit Zuckerperlen gefüllt. Ich bin ja nicht geizig, aber auf diesen Pfupf habe ich keine Lust und packe deswegen schon immer ein paar Kleinigkeiten ein, mit denen ich meine Tochter bei Laune halten kann. Konkret waren das dieses Mal: eine Flasche Mineralwasser, ein Mini-Tütchen Gummibärchen und ein Riegel Pick-up (bei uns heissen sie - warum auch immer - Cookiekekse).
Als meine Tochter nach einiger Zeit anfing nach so einem Leuchtstab zu betteln, habe ich ihr den Cookiekeks gegeben und dann war auch Ruhe. Neben uns sass auch eine dreiköpfige Familie und das kleine Mädchen wollte dann auch so einen Keks. Aber die Mutter meinte, nein, es gäbe keine Schokolade und hat mir einen Seitenblick zugeworfen, als ob ich meinem Kind Rattengift gegeben hätte.
In der nächsten Pause hat das Mädchen dann eine Tüte gezuckertes Popcorn bekommen...

Eine ähnliche Situation habe ich ein paar Tage vorher erlebt. Wir waren nach dem Kindergarten noch schnell auf dem Spielplatz und eines der Mädchen dort (alle aus der KiGa Gang) hatte eine grosse Tüte Chips mit Ketchup-Geschmack. Sie hat auch sehr vorbildlich mit allen geteilt. Meine Tochter fragte mich, ob sie auch welche essen dürfe, und ich habe es ihr erlaubt. Ca. 5 Kinder standen um die Tüte und jedes hat sich eine seiner kleinen Hände voll genommen und gemümmelt. Dann kam noch ein Junge aus dem KiGa dazu. Er fragte auch seine Mutter (Modell Schlachtschwein!), die auf der Bank nebenan sass und sie sagte nein, weil sie das nicht möchte. Der Junge sah so belämmert aus. Ich fand die Situation für den Kleinen richtig demütigend.

Ich kann ja nur von mir selbst ausgehen. Ich esse gerne! Ich esse auch sehr gerne Süsses. (Ich gehöre wohl zu den wenigen chronischen Lungenkranken, die noch nicht abgemagert sind) Oft leere ich nicht meinen Teller, weil ich pappsatt bin, aber hinterher geht immer noch was Süsses rein. Und das brauche ich auch. Mein Mann z.B. isst gerne vor der Hauptmahlzeit 2-3 Stücke Schoki. Und dennoch putzt er seinen Teller hinterher leer.
Wenn mein Kind Appetit auf Süsses hat, kann ich sie doch nicht mit einem Dinkelkeks oder Apfel abspeisen?
Ich erinnere mich an eine Episode aus meiner Kindheit (ich war ca. 4 Jahre alt), da waren wir lange mit dem Zug zu Verwandten unterwegs und ich hatte tierischen Durst. Limo-Durst! Meinetwegen auch Wasser. Und was hat mir meine Mutter bestellt? Einen heissen Kakao. Ich hätte Heulen können. Wahrscheinlich habe ich es auch getan.
Meine Tochter kennt Saft, Sprite und Fanta. In den meisten Fällen will sie Sprudelwasser trinken!

Gut, man könnte argumentieren, wenn Kinder keinen Zucker kennen, dann verlangen sie auch nicht danach. Aber spätestens im KiGa kommen sie mit dem Zeug in Berührung. Und ich bin der Meinung, dass ein gesunder Umgang viel wichtiger ist. Meine Tochter hat z.B. eine kleine Blechschachtel in ihrem Zimmer, in der Mini-Nikoläuse drin sind. Und die sind da immer noch drin. Obwohl sie freien Zugang dazu hat. Andere Eltern haben uns deswegen schon ungläubig angeschaut, bei ihrem Kind wäre diese Schachtel schon längst weg. Ja, wahrscheinlich, weil die Kinder so knapp gehalten werden, und jede Chance auf Schoki sofort nutzten.
Es soll ja jeder machen wie er denkt. Aber oft sind diese strengen Ökoeltern diejenigen, die in ihrer Jeans wie 'ne Presswurst aussehen und die Kinder wie die Krümelmonster über das Zeug herfallen, wenn sie mal die Gelegenheit haben.
Mir persönlich ist wichtig, dass meine Tochter weiss, dass man sich mit dem normalen Essen satt zu essen hat und Süsses oder Knabberzeug hinterher einen noch ein bisschen zufriedener machen kann, wenn man Lust drauf hat. Und bisher scheint das auch gut zu klappen, denn ein "Nein" wurde bisher auch immer gut akzeptiert.

So meine Lieben, das war jetzt für die meisten ein wahrscheinlich ziemlich uninteressanter Post und auch etwas konfus, aber es tat mir ganz gut, meine Gedanken mal etwas zu ordnen und aufzuschreiben.

Einen schönen Restsonntag wünsche ich euch,
liebe Grüsse,
euer Puminchen

Kommentare:

  1. Interessanter Post. :)

    Deine Einstellung finde ich gut. Weil du deiner Intuition folgst und nicht irgendwelchen Pseudo-Erziehungsratgebern.
    Ich finde, dass die intuitive Erziehung heutzutage extrem untergeht. Die Mütter möchten "alles richtig machen" und geben zu viel auf das Gesülze von Super-Nannys und vorgeblichen Gesundheitsexperten. Dies führt zu Überforderung und zu einer riesigen Unsicherheit.
    Daher stellen sich viele Mütter die Frage "Mache ich alles richtig?" und schauen deswegen vielleicht irritiert, wenn andere Mütter etwas lockerer, aber auch feinfühliger mit so alltäglichen Themen umgehen.
    Für die Kinder ist das natürlich auch schwer zu verstehen, wenn ihre Eltern ein etwas widersprüchliches Erziehungsverhalten an den Tag legen. Eben war etwas verboten - im nächsten Moment wird es jedoch erlaubt... Keine Seltenheit: Unsichere Eltern erziehen ihre Kinder wiederum zu unsicheren Menschen.

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  2. Hmm ich gebe dir einerseits schon recht, aber warum eine fette Frau ihrem Kind nicht auch einen gesunden Umgang beibringen darf, verstehe ich nicht.
    Ich zb. habe NIE den gesunden Umgang mit solchen ungesunden lebensmitteln gelernt und ich werde es wohl auch nicht in Zukunft selber vollständig ändern können. Ich bin selber auch dick, aber ich weiß auch, dass ich meinen Kindern dennoch einen gesunden Umgang beibringen möchte. Ich kann das ja dennoch machen, auch wenn ich selber es mir nicht mehr beibringen kann. Ich hoffe du weißt wie ich das meine?!

    Und wer weiß, vielleicht hat der Junge von dem "Modell Schlachtschwein" an dem Tag bereits seine "Dosis" Süßes gehabt und sie hat es ihm deswegen nicht erlaubt oder er hat eine Allergie gegen irgendwelche Inhaltsstoffe in den Chips. Ein Kind fragt ja trotz solcher Probleme immer mal wieder, ob es was davon darf.

    Zumal ein fetter Mensch nicht unbedingt aufgrund ungesunder Ernährung fett sein muss, es gibt soviele andere Gründe und meist ist es sowieso entweder ein anerzogener falscher Umgang mit dem Essen oder ein psychologisch/physiologisch Defekt und glaube mir kein fetter Mensch ist gerne fett! Aber manchmal kann man es nicht ändern...

    Lg

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    1. Dann hätte die Mutter dem Kind aber eine vernünftigere Begründung abliefern müssen als "Weil ich das nicht möchte". Kinder fühlen sich nicht gerne der Willkür der Erwachsenen ausgesetzt, sondern verstehen derartige elterliche Entscheidungen besser, wenn ihnen das "Warum" einleuchtend erklärt wird. ;)

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    2. Da gebe ich dir recht, das habe ich ja auch nicht bestritten. ;)
      Es geht mir eher darum, dass es so rüberkommt, als wäre das Gewicht der Eltern ein störender Faktor für Pluminchen wenn es um die gesunde Ernährung der Kinder geht.

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  3. Ich habe zwar noch keine Kinder, muss Dir aber insgesamt zu dem Thema zustimmen. Ich würde meinen Kindern auch eher versuchen einen "gesunden" Umgang mit Lebensmitteln zu vermitteln, anstatt alles nur zu verbieten.
    Bei mir als Kind war es auch so (ok, da gab es auch andere Ernährungslücken), aber ich hatte praktisch jederzeit Zugang zu Süßigkeiten und den restlichen Lebensmitteln. Bei manchen wusste ich, muss ich vorher fragen bei anderen nicht. Ich wusste wann die "normalen" Essenszeiten waren und dass ich zu den denen nicht Pappsatt erscheinen sollte. Auch habe ich schon von Kleinauf viel mit meinen Eltern zusammen gekocht. Daher denke ich, es ist viel wichtiger sich mit den Kindern mit dem Thema Ernährung auseinander zusetzen, anstatt ihnen immer nur etwas hinzustellen oder zuerlauben oder zubieten.
    Und zwischendurch mal etwas süßes schadet niemanden. Ist ja auch bei einer Diät so. Lieber mal zwischendurch nen Stückchen Schokolade, bevor dann irgendwann der Heißhunger kommt und man alles auf einmal in sich reinstoßt ohne Genuss. Da werden dann auch wieder die Erwachsenen zu Kindern ;)

    Liebe Grüße
    Kali

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  4. Es freut mich, dass dieser Post so viel Resonanz verursacht. Scheint wohl doch ein interessantes Thema zu sein. Mir ist noch mal wichtig zu sagen, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Ich rege mich nicht über Mütter auf, die nicht wollen, dass ihr Kind schnuckelt (so heisst das bei uns), sondern über diese Doppelmoral. Und gerade was Fluffy sagt finde ich auch wichtig. Ein Nein immer in Kombi mit einer ordentlichen Begründung! Wenn es gleich Abendessen gibt, verstehe ich, dass es vorher keine Chips geben soll. Aber aus Willkür handeln ist für Kinder doof. Aber das wäre wieder ein eigenes Thema... Liebe Grüsse, Puminchen

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  5. Ja zu diesem Thema kann man wohl viel diskutieren...
    Man kann nur hoffen, dass jeder den richtigen Weg für sich (und für seine Kinder) findet und dann damit zufrieden ist.

    Wir möchten Dir auch noch einen Blogaward weitergeben. :)
    Schau doch mal auf unserem Blog nach.

    Liebe Grüße
    Kali

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